05.10.15 – KH – Festakt: 725 Jahre Stadtrechte

 

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Bad Kreuznach
FESTAKT: 725 JAHRE STADTRECHTE
>>> König Rudolf erkannte Entwicklung zur Stadtgemeinde an

 

Quelle (auch Foto): Hansjörg Rehbein, Pressesprecher der Stadtverwaltung Bad Kreuznach

 

BAD KREUZNACH. Im Beisein des Grafen Johann von Sponheim übergibt König Rudolf von Habsburg der Schultheißin von Crucenach die Stadtrechtsurkunde.

Mit großem Gefolge, prächtig und farbenfroh gekleidet, waren die adligen Herrschaften in die Pauluskirche eingezogen, Stätte des Festaktes „725 Jahre Stadtrechte“, dessen Abschluss ein kurzes historisches Schauspiel war.

„Glanz und Elend, Aufstieg und Niedergang, Stolz und Demut. All das haben die Stadt und ihre Bürger in den vergangenen 725 Jahren erlebt“, sagte Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer in ihrer Begrüßung. Heute ist Bad Kreuznach ein großes attraktives Mittelzentrum am Rande der Metropolregion Rhein-Main.

„Schultheißin“ Heike Kaster-Meurer nahm die Stadtrechtsurkunde von König Rudolf von Habsburg (Steffen Quaer) entgegen. Links sitzend der Graf Johann von Sponheim (Thomas Graf von Strzemieczny), rechts stehend der Herold Lothar von Swartzenvelt (Lothar Scharold).

Das gesellschaftliche Leben der Stadt werde getragen durch ein großes ehrenamtliches Engagement seiner Bürger, so die Oberbürgermeisterin. Dr. Heidrun Ochs, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, begann ihren Vortrag mit dem tapferen Metzger Michel Mort, der seinem Herrn, Graf Johann von Sponheim, in der Schlacht von Sprendlingen 1279 das Leben rettete, und so für einen Meilenstein in der Entwicklung Crucenachs zur Stadt sorgte.

Die Treue des Grafen zum König war ein wesentlicher Grund, warum Rudolf von Habsburg am 9. Januar 1290  mit einer Urkunde Crucenach und seinen Bürger die Stadtrechte verlieh. Dies war allerdings der Abschluss eines Prozesses, den die Grafen Sponheim einleiteten, in dem sie den Bewohnern des Ortes zunehmend mehr Rechte gewährten, was durch die Urkunden von 1248,1279 und 1277 dokumentiert ist.

Im Rahmen der gräflichen Herrschaft gab es für die „Bürgergemeinde“ ein gewisse Selbstverwaltung und ein Marktrecht, Schöffen und Geschworene urteilten im Streitfall, persönliche Rechte gab es damals nicht, frei waren nur die Adligen und Geistlichen.

In seinem Vortrag würdigte Dr. Michael Vesper, Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde in Stadt und Landkreis Bad Kreuznach, die Verdienste der Grafen von Sponheim, die schon lange vor 1290 Crucenach zu einer „prosperierenden Gemeinde“ entwickelten.  „Letztlich anerkannte hier König Rudolf die Entwicklung einer Stadtgemeinde mit dem Grafen von Sponheim als Stadtherrn.“

Doch mit dem Ende des Grafengeschlechtes von Sponheim endete auch eine Blütezeit.  Die Stadt hatte mit dem Pfalzgrafen, den Markgrafen von Baden und den Grafen von Veldenz danach gleich drei Stadtherren und verlor dadurch enorm an Beachtung und Bedeutung.

Ihre Bürger wurden zwar mit der preußischen Gemeindeordnung von 1845 zu Einwohnern, doch erst das allgemeine Wahlrecht sorgte dafür, dass die Stadträte auf Zeit gewählt werden und nicht wie es Jahrhunderte lang üblich war auf Lebenszeit ernannt wurden.  „Eine Errungenschaft, die leider die Bürger immer weniger zu schätzen wissen“, sagt Vesper im Hinblick auf sinkende Wahlbeteiligungen.

Für den musikalischen Rahmen des Festaktes sorgten zum einen modern, zum anderen traditionell, die Big-Band des Lina-Hilger-Gymnasiums und Chorale Augustiniense aus Pfaffen-Schwabenheim mit gregorianischem Gesang. Zum Thema „725 Jahre Stadtrechte“ hatten sich auch drei Bad Kreuznacher Gymnasien etwas Kreatives einfallen lassen.

Das Gymnasium am Römerkastell erstellte eine digitale Stadtkarte mit interessanten historischen Standorten, fertigte Zeichnungen von Persönlichkeiten aus Bad Kreuznachs Geschichte unter dem Titel „Bewohner, Besucher, Besatzer“  und malte Schriftblätter mit historischen Stadtnamensbezeichnungen, Schüler des Lina-Hilger-Gymnasiums kreierten eine neues Mosaik „Oceanus 2015“ und Schüler des Gymnasiums an der Stadtmauer malten, künstlerisch aufgewertet, die Urkunde von 1290 an eine Hauswand.

Zum Abschluss des Festaktes gab es noch einen Umtrunk vor der Pauluskirche

 

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